Wohlstand für alle!.....und dann?

Auf seiner letzten Veranstaltung im Jahr 2011 beschäftigte sich der Evangelische Arbeitskreis der CDU Hersfeld Rotenburg mit der Zukunft. Was kommt nach dem Überfluss? Was geschieht mit den Ressourcen ? Welchen Spielraum erhalten eigentlich die Generationen nach uns? Fazit des Abends: Wir brauchen nicht innovatives Wachstum sondern wachsende Innovationen.

Wohlstand und Lebensqualität im 21. Jahrhundert: Eine Veranstaltung der EAK Bad Hersfeld mit dem Landesvorsitzenden der CDA Hessen, Dr. Matthias Zimmer MdB.

Der Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft in Hessen (CDA) Dr. Matthias Zimmer war am zu Gast bei der EAK Hersfeld-Rotenburg in Bebra um über die Arbeit der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ im Deutschen Bundestag zu berichten.

Bereits im Jahr 1957 hat Ludwig Erhard festgestellt, dass zu Recht die Frage gestellt werde, ob es noch immer nützlich und richtig ist, mehr Güter, mehr materiellen Wohlstand zu erzeugen, oder ob es nicht sinnvoll sei, unter Verzichtsleistung auf diesen Fortschritt mehr Freizeit, mehr Besinnung, mehr Muße und mehr Erholung zu gewinnen. Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, ist diese Frage nicht weniger aktuell, nicht weniger brisant. Mit ihr beschäftigt sich die Enquete-Kommission „Wachstum. Wohlstand. Lebensqualität.“ im Bundestag. Bis Ende der Legislaturperiode will sie der Wachstumsdebatte Impulse liefern. Dabei geht es um zwei wesentliche Leitfragen: Wie kann bei knapper werdenden Ressourcen künftig das Wachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppelt werden? Und wie kann Wachstum differenzierter definiert werden als durch den Indikator Bruttoinlandsprodukt?

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist als Wohlstandsmesser nicht unproblematisch. Es ist keine Messgröße für soziale und ökologische Aspekte, sondern ein Anzeiger für die von einer Volkswirtschaft produzierten Güter. Das führt zu der paradoxen Situation dass sich rechnerisch das BIP durch Naturkatastrophen erhöhen kann. Es sagt aber dann nichts über Wohlstand, und schon gar nichts über Lebensqualität aus. Deswegen ist ein differenzierter Indikator für die Messung gesellschaftlichen Wohlstands und der Lebensqualität gefragt. Das hat nichts mit der manchmal pressemäßig allzu verkürzten Darstellung zu tun, die Kommission sei auf der Suche nach dem „Bruttonationalglück“.

Unser Ressourcenverbrauch übersteigt seit Dekaden die Regernationsfähigkeit der Natur. Das ist einmal ein ökologisches Problem, aber auch ein Problem, dass unserer Art des Wirtschaftens ihre eigenen Grundlagen entzieht. Eine der zentralen Fragen der Kommission wird daher lauten: Wie können wir wie Wachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppeln?

Eine wichtige Rolle in der Enquete wird, so Zimmer, der Aspekt der Nachhaltigkeit spielen. Nachhaltigkeit ist Solidarität in der Zeit. Dahinter verbirgt sich einerseits eine ökologische Verantwortung. Ein gewissenhafter Umgang mit der Natur hat aber nicht nur das Ziel, beim sonntäglichen Ausflug besser durchatmen zu können. Naturschäden und Umweltgifte, die auf uns Menschen zurückfallen, werden wir teuer bezahlen müssen. Beispiele hierfür gibt es genügend: Hautkrankheiten, Krebs oder Infektionen aufgrund von Trinkwassermangel sind nur einige wenige davon. Hinter Nachhaltigkeit verbirgt sich also auch soziale und ökonomische Verantwortung; immerhin bezahlen wir schon jetzt Reparationen für eine nicht reflektierte Wachstumspolitik vergangener Dekaden.

Wir werden also Wege finden müssen, um Ressourceneffizienz zu steigern, Umweltbelastungen zu senken und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, so Zimmer. Dabei sind technische Innovationen ein wichtiges Mittel. Wettbewerb um Innovationen stellen daher in der Debatte entscheidende Schlüsselwörter dar. In Deutschland spielen wir bei der Entwicklung regenerativer Energietechnologien weltweit vorne mit. Damit ein solcher Wettbewerb der Innovationen auch tatsächlich einer ist und er sich für die Forschenden lohnt, gehört der Schutz des geistigen Eigentums untrennbar mit der Fortentwicklung der Wissensgesellschaft verbunden. Gleichzeitig bedarf es aber auch einer Änderung unseres Bewusstseins und unseres Verhaltens damit Effizienzsteigerungen nicht durch so genannte Rebound-Effekte zunichte gemacht werden. Wird es nicht verlockend sein, von den Öffentlichen Verkehrsmitteln wieder auf das eigene Auto umzusteigen, wenn diese durch Effizienzsteigerungen erheblich günstiger produziert und betrieben werden können? Das könnte aber in der Summe zu einem noch höheren Ressourcenhunger führen, weil mit einem Mehr an Effizienz auch ein Mehr an preislicher Attraktivität für einen größeren Personenkreis einhergeht. Dieses Beispiel verdeutlicht, warum Wachstum als Indikator für Wohlstand problematisch sein kann: Weil er lediglich das Wachstum abbildet, aber den Blick für eine ganzheitliche Betrachtung verstellt.

Wir werden aber auch Bewusstseins- und Verhaltensänderungen einfordern müssen. Eine Wertedebatte wird an dieser Stelle sicher unumgänglich sein. Allein die Erfahrungen der Finanz- und Wirtschaftskrise lehren uns, dass maßlose Spekulationen auf den Finanzmärkten nicht nur zu sozialen Eruptionen geführt haben, sondern bei einigen Unternehmern und Finanzakteuren einen eklatanten Mangel an Gemeinwohlorientierung deutlich haben werden lassen. Diese ist es aber, die auch Erhard im Jahr 1965 angemahnt hat: „Die Soziale Marktwirtschaft kennzeichnet nicht nur ein wirtschaftliches System, sondern sie weiß auch um die sittlichen Werte des Lebens. Wir alle, die wir an dem wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben durften, sollten es einfach nicht ertragen können, dass noch Menschen ohne eigene Schuld im Schatten leben, dass einzelne Schichten unseres Volkes von dem wachsenden Wohlstand wenig oder nichts verspürt haben. Ihnen – statt immer nur sich selbst und der eigenen Gruppe – helfen zu wollen, müsste in uns allen zu einer bewegenden Kraft werden. Mit einem Apell an die Regierung ist es nicht getan, wenn jeder nur an sich denkt und zu wenige das Ganze zu sehen bereit sind.“

Die Aufgabe der Enquete-Kommission wird es also auch sein, einen Beitrag zu leisten für die Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft. Es wird bei der Entwicklung eines ganzheitlichen Fortschritts- und Wachstumsindikators darum gehen, eine sinnvolle und wertebegründete Auswahl zu finden und den Instrumentenkasten unter diesen Kriterien bei Bedarf zu erweitern. So ist und bleibt es ein ambitioniertes Anliegen Antworten zu finden für künftiges Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität, aber auch um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu befördern. Gerade die christliche Demokraten, so betonte Zimmer, hätten aus ihrem Grundwerteverständnis einiges zu der Debatte beizusteuern und ermutigte die Gäste der EAK Bad Hersfeld, sich auch aktiv an der Debatte zu beteiligen.

Aktualisiert am:08.11.2016

Admin

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